Eigentlich mag ich gar kein Romance ...

Letzten Sonntag ist #DieWocheDerLiebe initiiert von Ally J. Stone zu Ende gegangen. Ich war bei der Aktion dabei, habe neue tolle Autorinnen gefunden und eine Menge Inspiration und Motivation getankt. Dabei mag ich eigentlich gar kein Romance.

Naja, zugegeben: Das stimmt nicht so ganz. Ich lese durchaus mal eine schöne Liebesgeschichte, doch ich selbst bin kein besonders romantischer Mensch. Hey, es überfordert mich schon, wenn mein Mann mir spontan mal Blumen schenkt und bin ehrlich gesagt echt froh, dass er das nur sehr, sehr selten und hauptsächlich zu Anlässen wie Geburtstag und Jahres-/Hochzeitstag macht. Zum Glück setzen wir beide andere Prioritäten in unserer Beziehung und scheißen auf große, romantische Gesten. 
Romance als Buchgenre gehört nicht zu meinen Favoriten, doch hin und wieder lese ich es. Da überrascht es vielleicht, dass ich mich selbst als Autorin im Romance-Genre verorte. Beim Zusammenstellen der Beiträge für die Aktion musste ich unter anderem die Frage beantworten, warum ich romantische Geschichten schreibe und wer mein literarisches Vorbild ist. Und das war gar nicht so einfach und klar, wie ich es immer dachte. Wenn ich in Gedanken die Autoren:innen durchgehe, die mich am meisten beeinflusst haben, so stelle ich fest, dass es fast ausnahmslos Krimi- und Thriller-Autoren:innen sind. Kann das funktionieren? Eine Romance-Autorin, deren literarische Einflüsse fast nur aus dem Suspense-Bereich stammen?

Wenn es um Geschichten und Romane geht, dann kann man ganz klar sagen, dass Liebe, Zuneigung, Sehnsucht nach einem anderen Menschen, etc. sehr starke Motivationstreiber für unsere Protagonisten:innen sind. Logisch, denn unser eigenes Leben wird nicht selten komplett durcheinandergewirbelt, wenn da plötzlich jemand ist, der unser Herz berührt. Lebensziele ändern sich, Prioritäten verschieben sich, Einstellungen entwickeln sich in eine andere Richtung als zuvor. Eigentlich die perfekte Voraussetzung für die Entwicklung von spannenden Plots und tiefgründigen Figuren. 

Vor allem der Mainstream-Buchmarkt hielt lange kaum romantische Geschichten bereit, die mir persönlich gefallen. Also musste ich ganz nach dem Prinzip „Das Buch, das dir gefällt, gibt es nicht? – Dann schreib es selbst!“ eben selbst in die Tasten hauen. Tatsächlich ist das einer der Gründe (neben dem Eskapismus), weshalb ich schreibe.
Zwischenmenschliche Beziehungen durchdringen unser Leben. So kann auch ein Romance-Plot in einer Utopie stecken oder in einem Fantasy-Epos mit Schlachten und Schwertkämpfen oder wo auch immer. Ich, die ich gerne Thriller lese, fand oft, dass die Romantik zu kurz kam. Klar, logisch. Ist bei Thrillern eben so. Gleichzeitig fehlte mir bei Liebesromanen oft ein Spannungselement, das mehr als nur vermeidbare Missverständnisse oder ableistische Plotdevices* beinhaltet. 

Mainstream-Romance ist für mich einfach zu voll von den immer gleichen Erzählstrukturen und ist viel zu sehr verhaftet in einer fast schon historischen Vorstellung von Liebe und uralter Rollenbilder. Ganz ähnlich wie mich klassische Krimis schon seit Längerem anöden, obwohl ich sie früher gerne gelesen habe. Es ist einfach immer dasselbe.
Und wenn es mal was anderes gibt, wenn denn eine Autorin mal „out-of-the-box“ denken und schreiben darf, dann führt es nicht selten zu Extremen. Krimis werden aufgeladen mit immer mehr menschlichen Abgründen und somit zu Psychothrillern. Und Romance? Tja, Romance bekommt mehr und mehr gefährliche Tropes und toxische Beziehungsgefüge verpasst. Und ich rede hier nicht mal vom Sub-Genre Dark Romance im Speziellen, sondern immer noch von Mainstream-Romance.

Unter dem Buchdeckel eines Liebesromans kann sich theoretisch alles verbergen. Die Settings, die Themen, die Subplots – alles ist möglich. So kann es mir passieren, dass mich ein Liebesroman positiv überrascht, weil er z.B. neben der Liebesgeschichte Themen behandelt, die mein Interesse wecken, oder ich kann ziemlich enttäuscht sein, wenn z.B. wichtige und interessante Themen nur am Rande abgehandelt werden oder mich das Setting einfach nicht abholt. Leider machen es mir die Verlage zusätzlich schwer. Cover und Klappentexte sind mitunter so austauschbar geworden, dass man gar nicht mehr weiß, was einen erwartet. Ein Beispiel: Nicole Knoblauchs Roman „Homerun for Love“ (Autorenwelt-Shop) erschien in der Piper-Serie „Read! Sport! Love!“, erhielt wie alle Bücher in der Reihe ein Cover mit hübschem Typen und zarter Farbgestaltung sowie einen Standard-Klappentext. Nichts bereitet die Lesenden darauf vor, dass hier Alkoholismus realitätsnah dargestellt wird und ein Schlüsselaspekt im Plot ist. Mir hat der Roman sehr gefallen, doch würde ich die Autorin nicht persönlich kennen, hätte ich ihn wohl nicht gelesen, weil Aufmachung und Klappentext, sagen wir, … leichte Klischee-Kost vorgaukelt.

Grund dafür, weshalb Romancetitel so verkauft werden, ist, dass man im Marketing gerne alles sauber getrennt hat. Hey, ich arbeite selbst hauptberuflich im Bereich Marketing – ich weiß, dass wir gerne in festen Kategorien denken und arbeiten, denn irgendwie muss man eine Struktur schaffen, wenn man Konsumenten den Nutzen eines Produkts erklären will. Allerdings begegne ich auch hier immer wieder Situationen, in denen eine klare Trennung nach altbekannten Kriterien nicht mehr möglich ist. 


Ein kleiner Exkurs: Früher gab es z.B. im Automobilsektor (Nutzfahrzeuge ausgenommen) grob die Fahrzeugklassen Mini (A), Small (B), Compact (C), Mid (D), Luxury/Sport und SUV/Offroad. Differenziert wurde durch Größe und Ausstattung und die Zielgruppen waren somit auch anhand ihrer Einkommenssituation und Lebensstile entsprechend leicht zu trennen. Heute gibt es Crossovers, A-SUV, B-SUV, C-SUV, S-SUV, Monocab, u.v.m., zuzüglich noch die neuen Antriebsarten Hybrid, EREV, Plug-in Electric und, und, und. Falls ihr das Gefühl habt, Autowerbung ist nur noch bescheuert (noch schlimmer als früher), dann liegt es vielleicht daran, dass selbst die Hersteller keine Ahnung mehr haben, wer denn eigentlich ihre Vehikel kaufen soll.


Auch der Buchmarkt wandelt sich. Cross-Genre und Sub-Genres bekommen an und ab sogar auch mal bei den großen Verlagen eine Chance. Dennoch haben ich und auch befreundete Autorinnen schon Feedback von Verlagslektorinnen erhalten, in dem uns gesagt wurde “Da passiert zu viel“, ganz getreu dem Motto: „Romance-Leserinnen haben es gerne leicht.“ So geht es sicher vielen, die wie ich crossgenre schreiben. Das Selfpublishing gibt mir die Möglichkeit, meine Geschichten zu veröffentlichen und beim Publikum zu testen. Ich nenne es „Romance+“: romantische Thriller, Romantic Suspense, Romantasy, Sci-Fi-Romance, …
Im Grunde bin ich froh, dass Genres wie Romantic Suspense oder Romantasy etc. mehr und mehr als eigenständige Genres begriffen werden, doch mich auf eines festzulegen wäre mir zu einengend.
Ich glaube, der Auszug/Überblick über einige meiner Konzepte/Projekte zeigt es deutlich: 

  • Konzept „Flong“: Romantasy mit Doppeltes-Lottchen-Story 
  • Konzept „Botschafter“: utopische Sci-Fi Romance in mehreren Teilen 
  • Konzept „Kryptonite“: New Adult Romance 
  • Projekt „Cent“: Romantic Suspense mit Superheld-ähnlicher Story


Wo genau die Reise für mich in nächster Zeit hingeht, welchem Konzept oder Projekt ich mich zuwende, weiß ich aktuell noch nicht. Doch zunächst fühle ich mich unter dem Label „Romance+“ ganz wohl. Veröffentlichte Beispiele gibt es auch: „Teufelswetter“, ein romantischer Mystery-Thriller oder „Lovers, Sharks And Lions“, eine Mafia-Romance. Beide erzählen Liebesgeschichten auf ganz unterschiedliche Weise, aber auf jeden Fall mit Spannung, Action und auch etwas Blut.



*Wenn Krankheiten als Plotdevice herhalten müssen und dann auch noch falsch dargestellt werden.