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Es werden Posts vom Dezember, 2019 angezeigt.

4 Adventssonntage - 4 Texte zum Nachdenken, Teil 4

Höhere Sensibilisierung erreichen wir nicht mit der Axt im Wald
Im Beitrag vom letzten Sonntag habe ich dargelegt, dass es sehr wohl darauf ankommt, wie man etwas sagt und, dass Kritik an dem Wie nicht automatisch Tone Policing sein muss. Wenn ich möchte, dass mein Gegenüber mich versteht, von meinem Worten überzeugt ist und mir folgt, dann muss ich wenigstens ein bisschen darüber nachdenken, wie ich das am besten anstelle. Unabhängig vom Thema/ Inhalt gilt: Drohen, Schimpfen, Pöblen, Bloßstellen – negative Anreize funktionieren hier deutlich schlechter als positive. Es gibt ein Phänomen, das mich sehr nachdenklich stimmt: Wieso gerade Menschen, die eine höhere Sensibilisierung und ein besseres Miteinander erreichen wollen, sich selbst oft aufführen, wie die Axt im Wald.  Ich weiß, was manche jetzt denken. „Die will wohl auch Nazis gut zureden, wie?!“ Äh, nein. Einfach nein! Ich beschäftige mich hier nicht mit der Frage, wie man ewig Unbelehrbare bekehrt oder mit Feinden kuschelt. Ic…

4 Adventssonntage - 4 Texte zum Nachdenken, Teil 3

Mein Brotjob ist nicht nur „was mit Medien“ – ich bin Kommunikationsberaterin und als solche beschäftige ich mich tagtäglich mit Botschaften, dem Platzieren solcher Botschaften und den Motivationen der Empfänger dieser Botschaften. Mir kann keiner erzählen, dass es scheißegal sei, wie man etwas rüberbringt, denn das ist schlicht und ergreifend falsch.
Ich werde heute und nächsten Sonntag ein paar Themen ansprechen, die mir persönlich vor allem im digitalen Diskurs (z.B. in Social Media) auffallen und diese werde ich vor meinem professionellen Hintergrund als Kommunikationsberaterin beleuchten. Der falsche Vorwurf des Tone Policing Es gibt, glaube ich, nur sehr wenige Diskussionen, in denen nicht irgendwann eine/einer den Tonfall kritisiert und dann dafür des Tone Policings beschuldigt wird. Dieser Begriff wird so über-inflationär falsch genutzt wie z.B. auch das Wort „triggern“ (siehe mein Artikel vom letzten Sonntag). Tone Policing hat etwas mit Privileg zu tun: Eine privilegierte…

4 Adventssonntage - 4 Texte zum Nachdenken, Teil 2

Warum ich keine Triggerwarnungen gebe, sondern -hinweise
Zu Beginn muss ich zwei Dinge klarstellen: Ich bin nicht gegen Hinweise auf Trigger, im Gegenteil – ich habe ausführliche Listen auf meiner Website und ab VÖ meines zweiten Romans „Lovers, Sharks And Lions“ sowohl allgemeine Hinweise auf Trigger im Buch als auch einen QR-Code mit Link zu den Details auf dem Backcover. Ich selbst hatte Trigger-Ereignisse in meinem Leben und mir nahestehende Menschen sind betroffen. Zum anderen rede ich hier und im Folgenden einzig und allein von wirklichen Trigger-Ereignissen. Einfaches Unwohlsein, Ekel, Ärger, Traurigkeit und ähnliche emotionale Reaktionen auf den Inhalt eines Romans sind keine Trigger-Ereignisse. Ein Trigger-Ereignis lässt dich ein konkretes Trauma, die furchtbare Situation, die dazu geführt hat, noch einmal erleben. Die Panik, die Angst, die Schmerzen, die du in diesem Moment des traumatisierenden Ereignisses gespürt hast, spürst du wieder. Und mitunter genau so heftig. Es ka…

4 Adventssonntage - 4 Texte zum Nachdenken, Teil 1

Sollten Buchblogger*innen bezahlt werden? Diese Frage geistert seit einiger Zeit durch die Buchbubble. Meine persönliche Meinung als Autorin und Selfpublisherin ist: Ja. Ich bin gerne bereit, etwas zu zahlen, wenn klar ist, wofür ich zahle.
Jetzt muss ich leider etwas ausholen. Ich bin nämlich nicht nur Autorin, sondern habe einen Brotjob in einer Media Agentur. Zu meinem täglich Brot gehört die Beratung von Unternehmen darüber, wo sie ihre Werbung platzieren sollen und das Verhandeln mit den Anbietern von Werbeplätzen. Wenn also in der Buchbubble gefordert wird, dass Bloggerinnen für die Werbung, die sie für Autorinnen und Verlage machen, bezahlt werden sollen, werde ich automatisch hellhörig. Ja, das ist mein Fachgebiet und deshalb muss ich aus dieser professionellen Sicht meinen Senf dazu geben. Aber vielleicht hilft es, die Sache besser einzuschätzen und – wer weiß – vielleicht führt es sogar dazu, dass die eine oder andere Bloggerin, die bisher „for free“ gearbeitet hat, tatsäch…